Geschichten aus dem Leben eines Direktmarketing Profis
Im Nähkästchen finden Sie - regelmäßig aktualisiert - kleine Geschichten aus dem Alltag einer Marketing-Frau. Sollte ab und zu die spitze Feder mit mir durchgehen - sehen Sie es mir nach und stecken Sie es in die Schublade "Unterhaltung mit Schmunzel- und Lerneffekt".
Die Kunst des Lebens besteht nicht darin, den richtigen Zug zu erreichen. Sie besteht vielmehr darin, an der richtigen Stelle auszusteigen.
In diesem Sinne habe ich den Stromanbieter gewechselt. Eigentlich, um meinen Teil dazu beizutragen, dass endlich Bewegung in den Markt kommt. Aber je mehr ich jetzt mit den Einzelheiten konfrontiert werde, umso mehr Gründe fallen mir ein, warum meine Entscheidung goldrichtig war. Gründe, anhand derer wir alle lernen können, wie Kundenkommunikation NICHT sein sollte:
Ganz schön eilig
Alles beginnt mit dem lieben Geld. Nein, ich spreche gar nicht vom wenig differierenden Strompreis. Sondern davon, dass der alte Anbieter immer schon eine Woche vor Fälligkeit, dafür aber für 2 Monate im Voraus eine Pauschale vom Konto seiner Kunden abbucht. Wenn man sich die Größenordnung dieser Beträge bei Millionen von Kunden klar macht, ärgert man sich spätestens dann, wenn man der Überlegung noch das Wort „Zinsen“ hinzufügt.
Weil mir diese Abbuchung bereits eine Woche vor Fälligkeit auf Dauer nicht gefallen hat, habe ich die Einzugsermächtigung zurückgezogen und überweise alle 2 Monate. Lange Zeit hat mich daran eine Zwischenrechnung erinnert, deren Versand man aus Kostengründen irgendwann eingestellt hat. Verzögert sich nun meine Überweisung um wenige Tage, berechnet mein Stromanbieter mir 3,80 Euro Mahngebühren. Hätte ich jedes Mal 3,80 Euro kassiert, wenn die Abbuchung eine Woche früher als vereinbart vorgenommen wurde, wäre das ein nettes kleines Zusatzeinkommen gewesen.
Nett
Dass es auch anders geht zeigt mir der neue Stromanbieter, der monatlich zum 30. und rückwirkend abbucht. Er ist bereit, mich einen vollen Monat mit meinem Geld arbeiten zu lassen, und vertraut mir als Kunde so weit, dass er einen ganzen Monat lang für mich in Vorleistung tritt. Finde ich nett. Vom neuen Stromanbieter habe ich ein freundliches und persönlich formuliertes Wilkommens-Schreiben bekommen. Besser hätte ich es nicht schreiben können, und das heißt was.
Der krönende Abschluss
Sogar mein alter Stromanbieter hat sich dazu herabgelassen, mich zu fragen, warum ich denn gekündigt habe. Man bedauert mein Fortgehen und möchte, dass ich Kritik äußere und die Hintergründe meines Wechsels mitteile. Dazu gibt’s anbei einen Fragebogen. Der fragt mich jedoch nicht nach meiner Meinung, sondern auf der kompletten ersten Seite nach meinen Angaben, und das sehr persönlich, incl. Geburtsdatum und Familienstand, und ggf. auch nach Namen und Geburtsdatum meines Partners. Warum das Ganze? Das erfahre ich im Kleingedruckten, denn dort man setzt man voraus, dass ich damit einverstanden bin, dass meine Angaben zu Marketingzwecken verwendet werden. Aha, daher weht der Wind.
Auch die zweite Seite des Fragebogens beschäftigt sich mit meiner persönlichen Situation. Was haben die Geburtsjahre eventueller Kinder mit den Hintergründen meines Anbieterwechsels zu tun? Im letzten Teil will man endlich wissen, warum ich gewechselt habe. Die wenigen Ankreuzoptionen decken sich nicht mit meinen Gründen, aber Platz für freie Formulierungen gibt es nicht. Zum Schluss die alles entscheidende Frage, ob ich mir vorstellen könnte, noch einmal zu diesem Anbieter zurück zu kehren. Ich bin höflich und kreuze „eventuell“ an.
Es geht noch mehr
Als ich den Fragebogen „bitte vergessen Sie nicht, zu unterschreiben“ (???) in den Umschlag stecke, entdecke ich statt des erwarteten „Porto zahlt Empfänger“ klitzeklein die Aufforderung „bitte freimachen“. Nach meinem verblüfften Erstarren über soviel Frechheit falte ich den Fragebogen wieder auseinander, streiche mein Kreuzchen bei „eventuell“ durch und setze ein fettes, von ganzem Herzen kommendes Kreuz bei „NEIN“
Alle Beiträge:
Verbrannt
Speed-Dating - der Stern am Single-Horizont
Lassen Sie Worte winken!
Mach Dich rar - Wahre Liebe kann loslassen
Die perfekte Welle - Marketing überraschend anders
Ganz schön eilig - Vom Wechsel des Stromanbieters
Zielgruppe - gibt es die überhaupt noch?
Andre Länder, andre Sitten
Die Sache mit dem Köder und dem Fisch
Das Märchen vom abgerissenen Arm
Und täglich grüßt das Murmeltier
Wollen die mir nix verkaufen?
Was wollen uns diese Worte sagen
Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist
Zum Schmunzeln
|