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Text- und Beratungsagentur Katja Hinzberg - Fachwirtin Direktmarketing (DDV)

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Geschichten aus dem Leben eines Direktmarketing Profis

Im Nähkästchen finden Sie - regelmäßig aktualisiert - kleine Geschichten aus dem Alltag einer Marketing-Frau. Sollte ab und zu die spitze Feder mit mir durchgehen - sehen Sie es mir nach und stecken Sie es in die Schublade "Unterhaltung mit Schmunzel- und Lerneffekt".

Speed-Dating - der Stern am Single-Horizont

„Warum schreibt sie jetzt über Kennenlern-Veranstaltungen für einsame Herzen?“ werden Sie sich fragen. Und „Ist ihr die Frühlingssonne zu Kopf gestiegen? Sie ist doch Direktmarketing-Fachwirtin…“ Warten Sie’s ab, Sie werden es erfahren.

Vor einigen Wochen habe ich im Fernsehen einen Bericht gesehen über eine relativ neue Form, Menschen kennen zu lernen. Eine Agentur veranstaltet ein Speed-Dating. Das bedeutet, (hoffentlich vorher ausgewählte) Männer und Frauen treffen sich in einem Café oder einem netten Umfeld, in dem man ungestört plaudern kann. Und dann unterhält sich jeder mit jedem – im „Bäumchen-wechsel-Dich“-Verfahren: Nach einigen Minuten gibt der Veranstalter ein Signal, und man rutscht „eins weiter“ zum nächsten Gesprächspartner. Zum Schluss füllt man für jeden Gesprächspartner einen Bewertungsbogen aus, und nach deren Auswertung gibt der Veranstalter die Kontaktdaten derjenigen, die sich wieder sehen möchten, an den oder die Wunschpartner weiter. Es ist alles herrlich einfach: Man lernt viele Leute innerhalb kürzester Zeit kennen, man muss sich nicht länger als die vorher vereinbarten Minuten mit jemandem auseinandersetzen, den man nicht mag, und wird ihn ganz einfach wieder los. Das „Anbandeln“ mit Wunschkandidaten übernimmt der Veranstalter.

Ja, es klingt einfach. Und doch ist es so schwer… Denn: Wie, verflixt noch mal, soll Mann oder Frau es innerhalb von 5 bis 10 Minuten schaffen, sich gut zu präsentieren? Und wie soll Mann oder Frau innerhalb so kurzer Zeit herausbekommen, ob das Gegenüber etwas taugt oder nicht? (Schlaue Füchse unter Ihnen merken’s schon: Ich habe doch keinen Sonnenstich, ich werde gleich elegant die Brücke zum Direktmarketing schlagen.)

Dank des Fernseh-Berichtes durfte ich bei den kurzen Gesprächen der Teilnehmer des Speed-Datings lauschen und beobachten. Und ich hatte einen Riesenspaß dabei. Da war ein gut aussehender junger Mann, ich konnte sein teures Rasierwasser förmlich durch die Satellitenschüssel riechen. Er legte sich mächtig ins Zeug: erfolgreicher Unternehmensberater, Golf und Tennis, Nobelclubs und Sushibars, und der flotte Sportflitzer im Halteverbot vor der Tür draußen, das ist seiner. Die Damen, die ihm gegenüber saßen, taten neugierig interessiert: „hmmm… aha… ahso… aha…. hmmm…“ Oder die Frau mit den knallrot gefärbten Haaren. Die konnte innerhalb von 30 Sekunden ein komplettes Psychogramm vor ihren Zuhörern ausbreiten: „Ich bin als Älteste von 4 Geschwistern groß geworden. Meine Mutter war berufstätig. Ich habe auf meine Geschwister aufgepasst und sie groß gezogen. Ich bin es gewohnt, für Andere Verantwortung zu übernehmen. Ich bin Krankenschwester und habe mehrere Pflegetiere vom Tierheim. Mein Partner sollte Tiere mögen…“

Schade, dass Sie den Beitrag nicht gesehen haben. Oder doch? Hat es Ihnen bei den Beiden auch die Fußnägel einmal blitzschnell herauf- und wieder herunter gerollt? Der Eine gibt nur damit an was er erreicht hat und lässt sein Gegenüber gar nicht zu Wort kommen. Ob er in der Partnerschaft genauso von sich überzeugt ist, und alles an materiellen Werten festmacht? Ob er das gleiche oberflächliche Desinteresse an den Wünschen und Emotionen des Anderen zeigt, wenn man *Sie wissen schon was*? Und die Rothaarige: Mich ritt der Teufel bei dem Gedanken daran, wie sie abends ihren Mann begrüßt, wenn sie von der Arbeit kommt: „Schatz, zieh Dir warme Socken an, es ist frisch draußen. Hast Du schon gegessen? Wie war Dein Stuhlgang?“ Prickelnd, oder?

Ein junger Mann ist mir aufgefallen. Nicht dadurch, dass er blendend aussah. Naja, die Optik war Durchschnitt, Tendenz zur Stirnglatze, Jeans, Hemd, Lederjacke, einer von Vielen eben. Aufgefallen ist er mir, weil er als Einziger die Damen, die zu ihm an den Tisch kamen, mit einem Händedruck begrüßte. Und zu jeder Frau fiel ihm ruckzuck die richtige Frage ein. „Du hast eine gesunde Hautfarbe. Bist Du viel draußen? Erzähl doch mal, was machst Du so?“ Und bei der Nächsten: „Oh, ein Pflaster am Finger. Erzähl doch mal, was ist passiert?“ Dann der absolute Treffer: Er beugte sich nach dem Händedruck über den Tisch und flüsterte ganz leise „Endlich jemand, der auch so aufgeregt ist wie ich. Hast Du auch schon den ganzen Tag drüber nachgedacht, was Du den Leuten hier erzählen willst?“

Mir wurde ganz schnell sonnenklar, wer am Ende des Speed-Dating die meisten Kennenlern-Wünsche der Teilnehmerinnen verbuchen konnte. Und ich weiß, wer am zielsichersten sagen konnte „Die möchte ich näher kennen lernen, denn mit der gabs viele Übereinstimmungen“. Die Werbepause brauchte ich gar nicht mehr abzuwarten, ich konnte den Fernseher ausschalten und ins Bett gehen. Schlafen konnte ich dennoch nicht, denn das, was ich eben gesehen hatte, spukte mir noch lange durch den Kopf.

Machen wir es im Direktmarketing nicht oft genug genauso? Wir stellen uns dar, schildern, was wir sind, können und haben, anstatt zu fragen, was der Kunde wirklich will, was ihn bewegt. Oder wir schildern unsere Leistung so eng, dass sie nur für einen kleinen Empfängerkreis in Frage kommt. Besonders oft fällt mir diese Vorgehensweise beim Telefonmarketing auf. Die Callcenter-Agents checken kurz, ob ich der richtige Ansprechpartner bin und erzählen dann ihre Geschichte: „Wir sind…wir können…, das ist toll und kostet nur…“

Ich möchte in Zukunft noch mehr Direktmarketing machen, wie der junge Mann es gemacht hat: Sympathisch, verbindlich, so individuell wie möglich und den Empfänger in den Mittelpunkt stellend Machen Sie mit? Und… ähm… über den Sonnenstich brauchen wir jetzt nicht mehr zu diskutieren, oder?


Alle Beiträge:

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Speed-Dating - der Stern am Single-Horizont

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copyright: Text- und Beratungsagentur Katja Hinzberg
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