Geschichten aus dem Leben eines Direktmarketing Profis
Im Nähkästchen finden Sie - regelmäßig aktualisiert - kleine Geschichten aus dem Alltag einer Marketing-Frau. Sollte ab und zu die spitze Feder mit mir durchgehen - sehen Sie es mir nach und stecken Sie es in die Schublade "Unterhaltung mit Schmunzel- und Lerneffekt".
Was wollen uns diese Worte sagen?
IIch lese regelmäßig Mailings anderer Schreiberlinge, die im Papierkorb einer befreundeten Chefsekretärin auflaufen. So wie heute: Mein gellender Aufschrei hallte durchs Büro. Unser Hund verzog sich mit eingekniffenem Schwanz in seine Ecke. Was ich da las, konnte einfach nicht wahr sein.
Da gibt es eine Firma, die audio-visuelle Informationssysteme vertreibt - ich nenne es mal Kameras. Die schreibt ein Mailing, in dem sie eine Auswahl solcher Kameras anbietet. Kein persönlicher Brief mit Vorteilsargumenten und beiliegendem Prospekt - nein: Ein einseitiges Mailing, in dem, eingepackt in ein paar Sätze belanglosen Geplänkels, nur die Kameratypen und die Preise aufgelistet sind. Schlimm genug, denn über den Preis kann man bekanntlich nur verkaufen, wenn dieser wirklich unschlagbar ist und man voraussetzen kann, dass die Leserschaft das auch weiß.
Der letzte Satz dieses Mailings aber haute mich vollends aus den Socken: "Finden Sie einen Preis bei uns, der weit über dem anderer Anbieter liegt, würden wir uns freuen, wenn Sie uns die Möglichkeit geben, unseren Preis neu zu kalkulieren."
Stille. Dann der Schrei. Au backe! Ok, denken und wünschen darf man sich sowas - dass der treue Kunde sich erst nochmal die Mühe macht, nachzuhaken, bevor er beim preiswerteren Wettbewerb kauft. Aber um Himmels Willen doch nicht schreiben! Warum sollte der Kunde das tun? Irgendein Vorteil, der den Schreiberling vom Wettbewerb unterscheidet, wurde nicht betextet. Und die große Liebe scheint es zwischen Absender und Empfänger auch nicht zu geben, denn man kennt noch nicht einmal den Namen, wie ich unschwer aus der Anrede "Sehr geehrte Damen und Herren" abzuleiten vermag.
Doch es kommt noch dicker. Denn was bedeuten diese Worte? Sagt der Schreiberling nicht ganz deutlich: "Ich weiß dass wir teurer sind als manche anderen, aber ich versuche erst mal bei Dir kleinem Dummerchen, richtig abzusahnen. Falls Du das merkst und nicht mitmachst, sag mir doch bitte bescheid, damit ich wenigstens das Geschäft machen kann - wenn auch dann mit kleinerem Gewinn." Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Ich bin platt.
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