Geschichten aus dem Leben eines Direktmarketing Profis
Im Nähkästchen finden Sie - regelmäßig aktualisiert - kleine Geschichten aus dem Alltag einer Marketing-Frau. Sollte ab und zu die spitze Feder mit mir durchgehen - sehen Sie es mir nach und stecken Sie es in die Schublade "Unterhaltung mit Schmunzel- und Lerneffekt".
W o l l e n die mir nix verkaufen?
In der Fernsehwerbung freut sich ein nettes Frauchen über ihre üppigen Klamotteneinkäufe, die sie sich dank niedriger Versicherungsprämien leisten kann. Auch ich bin dort versichert, bekam jedoch einen Brief, in dem mir meine Versicherung eine saftige Beitragserhöhung ankündigte. Vielleicht sollte ich mal testen, ob Neukunden andere Prämien zahlen als Altkunden, deren man sich sicher wähnt?
Es gibt Dinge, da ist mir guter Service Geld wert. Aber eine Kfz-Haftpflicht ist überall eine Kfz-Haftpflicht. Und mal ganz unter uns: Im Falle des Falles ärgert sich mein Unfallgegner damit herum, nicht ich. Also entscheide ich nach dem Preis. Mal gucken, ob's das nicht woanders preiswerter gibt. Fix "online Tarifrechner Kfz-Versicherung" in die gute Suchmaschine eingetippt. Die Ergebnisse waren mannigfaltig, also auf ins Gewühl.
Ich tippe alle Daten in den Tarifrechner eines großen Maklers ein: Fahrzeugtyp, Rabattklasse, Kennzeichen. Dann die ganzen Soft-Fakts drum herum: Wo steht das Auto nachts? Wer fährt damit? haben Sie Wohneigentum? (Hä?) Ist einer der Fahrer unter 25? Seit wann besitzen Sie das Auto? Wieviele km fahren Sie im Jahr? Nutzen Sie das Auto auch geschäftlich? Wie oft haben Sie Sex? Stop. Letztere Frage kam dann in einem Extra-Fenster, das sich wie von Geisterhand dauernd öffnete. Insgesamt habe ich 11 Minuten gebraucht, um die 53 Fragen zu beantworten. Voller Erwartung auf die Belohnung, eine Übersicht der günstigsten Versicherer, klickte ich auf "berechnen". Antwort: Weißer Bildschirm, darauf in großen Lettern: "Dingenskirchen requestet not found". Zu deutsch: War wohl nix.
Ich war geduldig. Schließlich ging es um mein Geld. Ich scheiterte in den nächsten 2 Stunden (!) immer wieder an den Tücken der Technik. Immer wieder wollte das online-Programm meinem Browser nicht "hallo" sagen, oder irgendwelche Seiten "requested not found", oder mein Rechner hing sich auf, weil sich gleichzeitig 18 Sexseiten öffneten. Ein Makler war besonders heftig: Der ließ mich alle Fragen beantworten, um mir dann zu sagen, dass er nur für die (für ihn rentablen) Sparten Lebens- Renten- und Krankenversicherung Angebote erstelle.
Endlich kam Licht in das Dunkel des Tarifdschungels: Kurz bevor mein Rechner wieder abstürzte, leuchtete auf dem Bildschirm für wenige Sekunden "Axa: 258, nochwas Euro" auf. Jippieh! Ein Ergebnis! Die Axa sitzt in Köln, und die Telefonnummer war flott gefunden. Was online nicht geht, kann man sicher telefonisch machen, oder es gibt eine Agentur in meiner Nähe. Freudig tippte ich in die Tasten meines Telefons. Freizeichen. Schön. Immer noch Freizeichen. Hmmmm? Nummer falsch? Da muss doch Donnerstag nachmittag um halb 3 die Telefonzentrale besetzt sein! Blick aufs Display - die Nummer stimmt. Keine Sau da. Hmpf.
Ich ging wieder ins Internet und suchte mir die Telefonnummer des Online-Brokers heraus, auf dessen Seiten ich den Tarifrechner fast erfolgreich benutzt hatte. Da ging tatsächlich jemand ans Telefon. Es war zwar nur ein Computer, dessen nette Stimme mir sagte, dass ich bitte warten solle, aber immerhin. 12 Minuten habe ich gewartet. Dann war ich's leid.
Sollte irgendeiner meiner Webseiten-Besucher bei einer Versicherung arbeiten: HALLOOOOO!!!! Ich hätte gern ein Angebot für meine KfZ-Versicherung! Hört mich jemand??????
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