Geschichten aus dem Leben eines Direktmarketing Profis
Im Nähkästchen finden Sie - regelmäßig aktualisiert - kleine Geschichten aus dem Alltag einer Marketing-Frau. Sollte ab und zu die spitze Feder mit mir durchgehen - sehen Sie es mir nach und stecken Sie es in die Schublade "Unterhaltung mit Schmunzel- und Lerneffekt".
Und täglich grüßt das Murmeltier
Es begann alles mit meinem Fachwirtin-Studium an der DDA: Die Akademie gab übrigens ohne mich zu informieren, höchstens irgendwo im Kleingeduckten meine Adresse weiter an den Europa Fachpresse Verlag in München. Dieser Verlag ist Herausgeber mehrerer Fachzeitschriften rund um das Thema Marketing: "Werben & Verkaufen", "Der Kontakter" und "Media & Marketing" sind u.A. Produktionen dieses Verlages. Während meines Studiums erhielt ich unaufgefordert jeden Monat Exemplare dieser Zeitschriften kostenlos, was uns die Akademie-Leitung als zusätzlichen Vorteil verkaufte. Soweit so gut.
Meine Zeit war und ist knapp bemessen, und nachdem ich mir die Zeitschriften angesehen habe, habe ich beschlossen, dass die Informationen dieser Blätter für mich nicht interessant sind. Andere Leser mögen fieberhaft auf die nächste Ausgabe warten - ich nicht. Stattdessen verstopften 3 Zeitschriften meinen Briefkasten, schleppte ich 3 Zeitschriften ungelesen zum Mülleimer. Also schrieb ich einen netten Brief mit eben dieser Begründung an den Verlag und bat, von weiteren Zusendungen abzusehen. Ohne Erfolg.
Ich schloss mein Studium ab, und erhielt vom Europa Fachpresse Verlag das nette Angebot, die "Abos" zu verlängern. Was ich nicht wollte und freundlich, aber deutlich verneinte. Mit dem Ergebnis, dass ich ab sofort alle Zeitschriften zweimal bekam: Einmal an "Katja Hinzberg Werbeagentur" und noch einmal an "Der erfolgreiche Brief, Frau Katja Hinzberg", gleiche Adresse. Diesmal nannten sie die Zeitschriften-Sendungen nicht "kostenloses Abo" sondern "Probeexemplar".
Gleichzeitig ging der Terror los. Mehrmals wöchentlich Anrufe: "Kennen Sie schon die W&V? Haben Sie das Probeexemplar erhalten?" "Wie gefällt Ihnen das Probeexemplar von Media & Marketing?" "Dürfen wir Ihnen 'der Kontakter' zum Sonderpreis von x DM schicken?" Dazu Mailings, Mailings, Mailings. Und täglich grüßt das Murmeltier - nein, pardon, der Europa Fachpresse-Verlag.
Jeder netten Callcenter-Agentin sagte ich, dass man mich doch bitte aus dem Verteiler nehmen möge weil die Zeitschriften mich nicht interessieren, und mich bitte nicht mehr anrufen solle. Jede nette Callcenter-Agentin versprach mir das. Getan hats keine. Der Terror ging in die zweite Runde.
Probeexemplare, Mailings. Anrufe. Und täglich grüßt ... Sie wissen schon wer. Man bot mir Füllfederhalter, Uhren und Handyverträge. Nur meine Ruhe, die bot man mir nicht. Ich schrieb Briefe und E-Mails und erhielt nie eine Antwort. Auch W&V-Chef Georg Lindner hatte kein offenes Ohr für meine simple Bitte: Streichen Sie mich aus Ihrer Datenbank!
Ich rief beim Verlag in München an und kämpfte mich durch mehrere Instanzen, bis mir jemand vom Verlag riet, die Briefe ungeöffnet zurück zu schicken, dann würde meine Adresse vom Adresspfleger automatisch aus der Datenbank genommen. Von Stund an schleppte ich also die Mailings und Probeexemplare nicht mehr zum Mülleimer sondern ins Auto, fuhr zur Post und warf sie in den Briefkasten.
Doch der Terror ging weiter. Mindestens 8 Callcenter-Damen versprachen mir meine Ruhe. Nix ist geschehen. 3 mal habe ich geschrieben. Nix ist geschehen. Nachdem mich eben wieder jemand mit einem blöden "Kennen Sie schon die W&V?" telefonisch aus der Arbeit heraus gerissen hat, habe ich mich beim Verband DDV beschwert. Gleichzeitig gehe ich jetzt mit meiner Geschichte an die Öffentlichkeit. Wär doch gelacht, wenn sich ein Marketing-Fachverlag mit einem solchen Verhalten nicht so lächerlich macht, dass er es endlich leid wird, mich zu belästigen.
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