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Text- und Beratungsagentur Katja Hinzberg - Fachwirtin Direktmarketing (DDV)

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Geschichten aus dem Leben eines Direktmarketing Profis

Im Nähkästchen finden Sie - regelmäßig aktualisiert - kleine Geschichten aus dem Alltag einer Marketing-Frau. Sollte ab und zu die spitze Feder mit mir durchgehen - sehen Sie es mir nach und stecken Sie es in die Schublade "Unterhaltung mit Schmunzel- und Lerneffekt".

Das Märchen vom abgerissenen Arm

Mag sein, dass der Mensch, von dem ich heute berichte, das alles gar nicht so gemeint hat. Als „Kommunikations-Profi“ weiß ich ja, dass eine Nachricht immer mehrere Seiten hat, und dass das, was beim Empfänger ankommt, nicht unbedingt das sein muss, was der Absender gemeint hat. Die Geschichte geht so: Vor einigen Wochen schrieb ich ein Unternehmen an, dessen Mailing stark verbesserungswürdig war. Ich stellte mich und meine Arbeit kurz vor, gab dem Unternehmen 3 Hinweise, was man warum besser machen kann und wies nett darauf hin, dass ich in Zukunft gern für dieses Unternehmen texten möchte, um meinen Teil dazu beizutragen, dass dessen Mailings erfolgreicher werden.

Auf meine zugegeben etwas freche Akquise reagierte der Geschäftsführer freundlich. Wir telefonierten lange miteinander, wobei die teilweise ziemlich privaten Fragen des Geschäftsführers schon darauf hin deuteten, dass die Zusammenarbeit mit diesem Menschen nicht ganz leicht werden würde. Macht nichts, ich bin ja „Kommunikations-Profi“ und kann zu all dem stehen was ich sage und tue. Kein Problem. Nach diesem Telefonat erhielt ich ein sehr, sehr langes Fax und eine sehr, sehr fette E-Mail mit insgesamt über 60 Seiten Informationen, in die ich mich aufwändig einlas, um mir ein Bild von der Aufgabe zu machen und ein Angebot kalkulieren zu können. Das Angebot ging per Fax raus. Zeitgleich stellte der Geschäftsführer noch weitere Infos für mich zusammen – beschäftigte sich also schon mit dem Gedanken, dass wir zusammen arbeiten würden.

Dann wurde es still. Bis jemand immer wieder versuchte, mit „Nummer unterdrückt“ auf mein Telefon zu faxen. Machtlos konnte ich nur immer wieder auflegen. Bis ich auf die Idee kam, „das könnte ja der X sein, vielleicht erteilt er mir den Auftrag“. Also schickte ich vorsorglich eine E-Mail, in der ich kurz erzählte was passiert war und auf meine FAXnummer hinwies. Ich erhielt eine Rückmail mit der Bitte um einige Mustertexte. Ungewöhnlich und ungern, aber ok. Also setzte ich mich an den PC, anonymisierte einige meiner Kundentexte und schickte sie an X. In meiner Mail wies ich darauf hin, dass solche „Mustertexte“ immer nur ein Blick durchs Schlüsselloch sein können, weil man ja nur die nackten Texte sieht, und die gesamten Hintergrund-Infos nicht kennt. Diese Infos gebe ich selbstverständlich auch nicht weiter, das sind ja Dinge, die nur meinen Kunden und mich etwas angehen. Deshalb kann es durchaus passieren, dass jemand über einen solchen Text z.B. denkt „ist das aber eine platte Sprache“, und nicht weiß, dass genau diese Sprache extra so gewählt ist, weil sie zur sonstigen Kommunikation, zum Angebot und vor allem zur Zielgruppe passt.

Mit genau diesem Wortlaut erhielt ich dann eine Nachricht meines potenziellen Kunden zurück: Da ja meine Texte nur ein Blick durchs Schlüsselloch sein können, möge ich doch bitte einen Text für ihn erstellen, Infos hätte ich ja nun genug, und bittesehr mit soundsoviel „Anschlägen“ in soundsoviel Zeilen. Das Ganze selbstverständlich kostenlos. Ich war ziemlich baff. Baff, weil mir das in 8 Jahren noch nicht untergekommen ist. Baff, weil mich sehr viele Kunden, Geschäftspartner und auch wildfremde Leute für meinen umfangreichen und aussagekräftigen Internet-Auftritt loben. Baff, weil ich eine nachträgliche Korrektur kostenlos erbringe und das auch schriftlich garantiere, so dass der Kunde keinerlei Risiko eingeht. Baff, weil ich das ganz schön dreist fand. Nachdem ich „ausgebafft“ und mich wieder etwas beruhigt hatte, schrieb ich eine Mail, in der ich ebendies dipolomatisch-nett formulierte.

Ich erhielt einige Tage später die Antwort, im Journalismus sei es üblich, Mustertexte zu erstellen, und ich solle doch meine ablehnende Haltung überdenken. OK, ich wurde deutlicher: Dass ich meinen Akquise-Aufwand auch unter Rentabilitäts-Gesichtspunkten betrachten müsse, dass so was nach Rücksprache mit Kollegen nicht üblich sei, und dass es eben manchmal Verbindungen gäbe die nicht zusammen passen würden, und dann sollte man es lassen.

Gehe hin in Frieden.

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